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Winternacht, Samhain

Was wir feiern .. Winternacht

 

altnordisch: Vetrnóttablót, angelsächsischen: Winterfylleth,
keltisch: Samhain

 

Die Winternacht - nicht zu verwechseln mit der Weihnacht - ist ein Mondfest und wird, je nach Region zwischen Mitte Oktober und Ende November gefeiert. Die Skandinavier feiern um den 15.10. herum, die Isländer feiern auf einen Oktobersonntag, der zwischen dem 21.10. und 26.10. liegt. In unseren Breiten feiern wir neuheidnisch entweder zum ersten Oktobervollmond (dieses Jahr war das am 13.10.) oder – wenn wir das keltische Samhain feiern – dann ist es der Neumond im Oktober (dieses Jahr war das am 28.10.). Und es ist genauso richtig, die Feste fix in der Nacht vom 31.10. auf den 01.11. zu feiern. Ohnehin bilden diese Feste den Höhepunkt einer Festzeit von zumeist 12 Tagen, die hälftig davor und danach liegen. Wirklich wichtig ist die Zeitqualität – wann fühlt es sich nach Winternacht resp. Samhain an?

 

Die Winternacht kennzeichnet im nordischen Jahreskreis den Winterbeginn. Die Ernte ist eingefahren, wir müssen sie jetzt aber noch verarbeiten und haltbar machen für die kalte Zeit. Auch gilt es Entscheidungen zu treffen, was bleibt und was gehen muss .. so heißt der November denn auch 'Blutmond', weil alle überzähligen Tiere, die unsere Ahn*innen nicht durch den Winter bringen konnten, geschlachtet wurden. Und was jetzt noch an Früchten und Kräutern draußen zu finden ist, das gehört nach dem Fest nur noch den Naturgeistern und ist ab sofort tabu, es ist „puk“.

 

Lassen wir uns auf die Energie dieser Zeit ein, spüren wir das Ausatmen der Göttin, der Mutter Erde, die sich darauf vorbereitet, bis zum Frühjahrsfest, dem Disablót (keltisch: Imbolc) zu ruhen und Kraft zu schöpfen. Die Zugvögel verlassen unsere Breitengrade und viele unserer Tiervettern ziehen sich mehr und mehr in ihre Winterbaue zurück; das Land verliert in einem letzten Rausch seine Farben, es wird kalt und grau um uns herum.

 

Die Feier des Samhain hat in verschiedenster Gestaltung als Feier zu Ehre der Toten überlebt. In Schottland, Irland und Wales, sowie im gesamten keltischen Siedlungsraum, fand das "Féile na Marbh" ("Feier der Toten") an Samhain statt. Im Zuge der Christianisierung wurde das Fest zu Allerheiligen am 1. November, gefolgt von Allerseelen am 2. November. Dementsprechend wurde der 31. Oktober zum Vorabend von Allerheiligen ("All Hallow's Eve") und die Überbleibsel des ursprünglichen Festes verwandelten sich in das weltliche Fest Halloween.

 

In dieser – noch andauernden - Festzeit sind wir ein wenig zeitverschoben, die Grenze zwischen den Welten ist durchlässiger, so dass wir unseren Ahn*innen – denen des Landes, denen des Blutes und denen des Geistes - begegnen können: Unsere Verstorbenen und die Geister derer, die noch geboren werden sollen, wandeln in dieser Nacht auf der Erde, um uns zu besuchen. Um ihnen den Weg zu weisen, stellen wir Lichter in den Fenstern auf. Um diejenigen Geister fern zu halten, deren Platz nicht bei uns ist und die nur Unruhe stiften wollen, hängen wir selbstgemalte Dämonengesichter auf oder schnitzt aus Rüben oder Kürbissen schaurige Fratzen, die als Wächter vor die Tür gestellt werden.

 

Die Zeit, die der Winternacht folgt, sind die melancholischen Tage des Novembers, die eine Zeit der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Vergänglichkeit und eine Konfrontation mit dem Tod sein können: eine Chance, uns selbst in dieser Stille wahrhaft zu begegnen. Bis wir dann zu Jul das neue Licht entzünden.

 

Ich wünsche Dir und mir und all unseren Lieben, wo auch immer sie jetzt sein mögen, eine gesegnete Winternacht, ein berührendes Samhain.

 

All Deine Götter mit Dir!

Urs Grágás Bärenkräfte Barth